SCM-News

Saison-Rückblick mit Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt

2023-10-26_Schmedt

Marc-Henrik Schmedt, die Saison 2023/2024 ist vorbei. Wenn Ihnen vor der Spielzeit jemand gesagt hätte, Ihr Club holt mit Meisterschaft, DHB-Pokal und Klub-WM drei Titel, was hätten Sie geantwortet?
Nach dem Champions-League-Sieg 2023 ist es uns gelungen, mit drei Titeln unseren Anspruch zu untermauern, eine europäische Spitzenmannschaft zu sein. Die dritte Spielzeit in Folge etwas in den Händen zu halten ist schon überragend. Es ist die bislang erfolgreichste Saison in der Geschichte des SC Magdeburg. Das braucht noch weiteren zeitlichen Abstand um zu bewerten, was sich hier in den letzten Jahren entwickelt hat. 

Inwieweit ist sportlicher Erfolg planbar?
Kontinuierliche Arbeit, organisches stetiges Wachstum und die richtigen Personalentscheidungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Erfolg. Der Grat zwischen Triumph und Misserfolg ist aber in der absoluten Spitze sehr eng. Da entscheiden Kleinigkeiten, Glück, Pech, Verletzungen. Alles kann da den Ausschlag geben, egal, wie gut du dich vorbereitet hast. 

Das große Ziel, die Titelverteidigung in der Champions League, hat der SC Magdeburg verpasst. Überwiegt die Enttäuschung, ausgerechnet die letzten zwei Saisonspiele verloren zu haben, oder der Stolz, dass es der SCM erneut unter die besten vier Clubs in Europa geschafft hat?
Mit etwas Abstand bleibt es ein unglaubliches Privileg in Köln dabei gewesen zu sein. Es hätte auch schon im Viertelfinale vorbei sein können. Natürlich will man als Titelverteidiger wieder den Sieg erringen. Da darf man dann auch traurig sein, aber Clubs wie Paris, Veszprem oder auch Kielce wären gerne dabei gewesen. Ganz ehrlich, vor 5 Jahren habe ich mich über eine Eintrittskarte für das Final4 gefreut, so ändern sich Zeiten und Ansprüche. Wenn die Niederlage für eins gut war, dann dass auch alle wieder mal etwas geerdet werden. Wir müssen uns alles weiter hart erarbeiten und können nicht übers Wasser laufen. Zudem zeigt das Wochenende eben auch, dass die 8 Titel in den letzten 3 Jahren absolut außergewöhnlich waren. 

Mit ein paar Tagen Abstand, haben Sie schon eine Erklärung, warum der SCM in Köln nur Vierter wurde?
Es war ein mehr als knappes Halbfinale gegen Aalborg. In der 58. Minute hat erstmals ein Team mit 2 Toren geführt. Das waren Kleinigkeiten, die über Sieg und Niederlage entschieden haben. Im Spiel um Platz drei war dann der emotionale Rucksack für das Team in der ersten Halbzeit zu groß. Kiel stand nach der Halbfinalniederlage und dem Saisonverlauf mächtig unter Druck. Gut, dass wir in der 2. Halbzeit eine Reaktion gezeigt haben und nochmal rangekommen sind. Das waren wir unseren Fans einfach schuldig.

Drei Titel sind es dennoch geworden. Gibt es einen Erfolg, der Ihnen besonders viel bedeutet?
Die Deutsche Meisterschaft ist für mich das Nonplusultra, ohne Frage. 34 Spieltage konstant Leistung zu zeigen, bei 4-5 Clubs, die für den Titel infrage kommen. Du musst über die gesamte Saison abliefern, körperlich wie mental. 

In 34 Bundesligaspielen hat der SC Magdeburg nur zwei Spiele verloren. Was hat den SCM dieses Jahr so stark gemacht?
Wir hatten zu Beginn etwas Schwierigkeiten und mussten zwei zentrale Rückraumspieler integrieren. In welcher Geschwindigkeit sich Felix Claar und Janus Smarason dann aber integriert haben, war schon phänomenal. Dazu kam die mannschaftliche Geschlossenheit und die Kaderbreite, die nach Rückkehr von Omar und Gisli aus ihren Verletzungen, ein weiterer Schlüssel zum Erfolg waren.

Ab wann war für Sie klar, dass der Meistertitel wieder an die Elbe kommt? Gab es ein Schlüsselspiel?
Wie immer haben wir nur von Spiel zu Spiel, von Aufgabe zu Aufgabe gedacht und das in drei Wettbewerben. Ich denke, das Heimspiel gegen Berlin und der Auswärtssieg in Flensburg waren die großen Meilensteine, neben den vermeintlich kleineren, die jeden dritten Tag in der HBL auf dich warten und die keineswegs einfacher zu bespielen sind. Dafür ist die Leistungsdichte einfach zu hoch. 

Welchen Anteil haben die Fans an der Erfolgsgeschichte des SCM?
Einen gewaltigen Anteil. Die Unterstützung vom ersten Spieltag an. Die volle GETEC ARENA in Liga und Champions League, die Fanmärsche in Köln, der Empfang auf dem Rathausbalkon. Einfach Wahnsinn und einmalig. 

Gerade aus der Fanszene gab es zuletzt auch kritische Stimmen. Ein Beispiel war die massive Erhöhung der Eintrittspreise beim REWE Final4. Wie nehmen Sie die Fankritik im Handball wahr? Haben Sie als Club ein offenes Ohr für die Anliegen Ihrer Fans?
Ja sicher, auch in meiner Funktion als Vizepräsident der Liga. Ich glaube aber, dass Geschäftsführer Frank Bohmann hier aktiv in den Dialog nach der Premiere 2023 mit den Fanvertretern gegangen ist. Einige Dinge konnten 2024 verbessert werden. Am Ende ist so ein Finalturnier aber eben auch eine nationale und internationale Spitzenveranstaltung. Hier präsentiert sich dann eine Sportart, die wachsen will und auch den medialen Ansprüchen gerecht werden muss. Für die Ligaspiele in Magdeburg werden wir immer versuchen, an den eingespielten und gewohnten Abläufen festzuhalten, ohne uns sinnvollen Neuerungen zu verwehren.

Negativer Höhepunkt der Saison dürfte die Suspendierung von Nikola Portner aufgrund eines positiven Dopingbefundes gewesen sein. Was haben Sie gedacht, als man Sie darüber informiert hat?
Ich habe zunächst gar nicht verstanden, was passiert ist, als Nikola uns proaktiv informiert hat, dass gegen ihn ermittelt wird. Die mediale Aufmerksamkeit war für diesen im Handball untypischen Vorgang natürlich extrem und das unmittelbar vor dem damals anstehenden REWE Final4 in Köln. 

Hat der Fall Portner dem SCM abseits des Spielfeldes geschadet?
Wir haben über den Vorgang öffentlich informiert und haben uns nicht an Spekulationen beteiligt. Im Verfahren selbst sind bzw. waren wir nur mittelbar beteiligt. Uns war und ist wichtig, dass klar ist, dass wir bewusstes und leistungssteigerndes Doping beim SC Magdeburg keinesfalls tolerieren werden, vor einer Beurteilung aber erst einmal die eingebundenen Institutionen gründlich arbeiten lassen müssen, die Sachlage erörtern und dann zu einem Ergebnis kommen sollen – was nun ja geschehen ist.

Wie ist der aktuelle Stand im Fall Nikola Portner?
Ich verweise wegen der Details auf die umfassende Stellungnahme der HBL vom 26.06.24, die auf der Homepage www.liquimoly-hbl.de abrufbar ist. Wir freuen uns, dass wir nach jetzt erfolgter Aufhebung der Suspendierung mit unserem Torhüterduo Hernandez und Portner nach der Sommerpause wieder in die neue Spielzeit starten können.

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