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KRETZSCHES ERINNERUNGEN IN „HÖLLELUJA“ AN DAS „WUNDER VON METKOVIC“

Historisches Mannschaftsfoto des SC Magdeburg beim Jubel über den EHF-Pokalsieg 2001.
Archivfoto

Es war ein glorreicher Moment am 28.April 2001 in der SCM-Historie. Vor 20 Jahren gewannen die Grün-Roten grandios den EHF-Cup. Mit 28:18 beim RK Metkovic Jambo in Kroatien. SCM-Ikone Stefan Kretzschmar erinnert in seinem Buch „Hölleluja“ an dieses „Wunder von Metkovic“.

Der Hexenkessel – „Als das „Wunder von Metkovic“ ist dieser Tag im April 2001 in die Annalen des SC Magdeburg eingegangen. Das Rückspiel im Finale des EHF-Cups bei Titelverteidiger RK Metkovic aus Kroatien gilt als eines der besten Auswärtsspiele in der Vereinsgeschichte. Wir hatten das Hinspiel gegen den Titelverteidiger nur hauchdünn mit 23:22 gewonnen. Sekunden vor Schluss hatte ich mit einem Siebenmeter den Siegtreffer erzielt, aber die Stimmung in der Bördelandhalle war trotzdem mies. Die meisten Zuschauer hatten die Hoffnung auf einen Titelgewinn da schon begraben. Die Ausgangsposition vor dem Rückspiel war tatsächlich denkbar schlecht, denn Metkovic war extrem heimstark und die Halle der Kleinstadt im Süden des Landes hatte den Ruf, eine der schlimmsten Höllen, auf dem an Handball-Höllen nicht gerade armen Balkan, zu sein. Im Rückspiel wurde die mit 4000 Zuschauern gefüllte Halle ihrem Ruf zunächst mehr als gerecht. Dazu muss man wissen, dass die Kulisse rund einem Viertel der Einwohnerzahl von Metkovic entsprach. Es war heiß, es war stickig, die treuesten und härtesten Fans brannten bengalische Feuer ab, alle Zuschauer begleiteten jeden unserer Angriffe mit einem gellenden Pfeifkonzert, beschimpften uns nach Toren oder Fouls in der Landesprache und ließen uns großzügige Spenden in Form von Münzgeld zukommen. Wer knapp bei Kasse war, der schmiss einfach sein Feuerzeug. Diese spezielle Art von Niederschlag, der sich auf die Spielhälfte des Gegners beschränkte, war in vielen Hallen auf dem Balkan Usus. Schlimmer war nach meiner Erinnerung nur noch Skopje.“

Das Spiel – „Metkovic spielte wie erwartet hitzig und hart, denn die Schiedsrichter ließen dem Gastgeber einiges durchgehen, was ebenfalls üblich war bei Auswärtsspielen in dieser Region. Die Schiedsrichter hatten in den Hexenkesseln regelmäßig die Hosen voll. So sehr mich das als Gästespieler aufregte, so sehr kann ich es rückblickend nachvollziehen. Die Hölle von Metkovic kochte-dann gefror sie. Wir machten das Spiel unseres Lebens. Uns gelang einfach alles und wir gewannen mit 28:18. Das war nicht einfach nur ein Sieg. Wir hatten die Kroaten in ihrer als uneinnehmbar geltenden Festung eiskalt abserviert und die Hölle schockgefrostet. Die Art und Weise, wie wir dort auftraten, war mehr wert als der Pokal, den wir wenig später überreicht bekamen. Was damals in der Halle geschah, ist Geschichte und recht gut dokumentiert.“

Die Titelparty – „Kaum bekannt ist dagegen der weitere Verlauf des Abends und die auf den Finalsieg folgenden Stunden, die zu den denkwürdigsten meiner Karriere gehören. Was schon etwas heißen will. Darüber hinaus wurde uns geraten, so lange in der Kabine zu bleiben, bis die Fans des Gastgebers die Halle und das Gelände drumherum verlassen hatten. Aus Sicherheitsgründen. In der Kabine (es gab Pizza, d.R.) wurde die entscheidende Frage laut: Wo feiern wir den Titelgewinn? Die Meinung der Mannschaft war einigermaßen einhellig: an der Hotelbar. Ich hatte mich im Vorfeld wie immer schlaugemacht und eine Disko aufgetan, die der Kracher sein sollte. Dort wollte ich hin. Unbedingt. Nach meinen Überredungskünsten standen wir etwa eine Stunde später vor dem besagten Club. Nicht allein. Vor dem Eingang drängelten sich mehr als hundert Leute und sie schauten uns alle finster an. Es waren unverkennbar Metkovic-Fans. „Lass uns lieber gehen, Kretzsche“, hörte ich meine Kollegen hinter mir sagen. „Hotelbar ist doch auch okay.“ Nee ist nicht okay, dachte ich trotzig. Wir sind gerade EHF-Pokal-Sieger geworden. Wir haben in der verdammten Hölle von Metkovic gewonnen, also wollen wir das auch gebührend feiern. Bei der ersten Partyadresse der Stadt. Ich bat meine Jungs zu warten. Der Türsteher holte den Boss und wir beratschlagten kurz. Der Boss meinte, sein Laden sei zwar voll mit Handballfans, aber es wäre ihm eine Ehre, uns als Gäste begrüßen zu dürfen und er würde einen Bereich des Clubs für uns klarmachen. „Alles gut Jungs, wir können rein“, überbrachte ich meiner Mannschaft die frohe Kunde, die nicht gerade spontane Jubelstürme auslöste, aber auch keine kollektive Ablehnung. Meuterei abgewendet. Alle zogen mit. Teamgeist.“

P.S. Gegen 5 Uhr waren die SCM-Helden zurück im Mannschaftshotel. Alle wohl behalten nach einer grandiosen Party für das  „Wunder von Metkovic“.

Quelle: Buch Stefan Kretzschmar „Hölleluja“

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