SCM-News

Heute vor 20 Jahren: Der SC Magdeburg gewinnt die EHF Champions League

Zwei Handballer des SC Magdeburg jubeln ausgelassen und recken den Champions-League-Pokal in die Höhe.
Archivfoto: Schulz

20 Jahre Champions-League-Sieg: Der 27. April 2002 wird vielen SCM-Fans für immer in Erinnerung bleiben. An jenem Samstag schrieb der SC Magdeburg Handball-Geschichte und wurde als erstes deutsches Team Sieger der EHF Champions League. Im Final-Rückspiel besiegte Magdeburg die Ungarn von KC Fotex Veszprem mit 30:25.

„Heute ist ein Tag, um Geschichte zu schreiben.“ – so prangte ein Schriftzug aus selbst gebastelten Pappbuchstaben der Fans hinter dem Magdeburger Tor in der Bördelandhalle. Und sie sollten Recht behalten. 8000 Zuschauer in der ausverkauften Bördelandhalle, heiße Stimmung und Säcke voll Konfetti auf den Rängen. Alles war angerichtet, um die 23:21-Auswärtsniederlage aus dem Hinspiel wieder wettzumachen. „Die Stimmung vor dem Spiel war der Wahnsinn. Schon Tage davor hat man die Spannung in der Stadt gespürt“, erinnert sich der damalige Mannschafts-Kapitän und heutige Geschäftsstellenleiter Steffen Stiebler, „ab der ersten Spielminute waren wir Spieler aber absolut im Tunnel.“

Als erster nicht spanischer Gewinner, der 1994 einführten Champions League, drehten die Magdeburger die Niederlage aus dem Hinspiel in Ungarn. Mit 30:25 (15:10) bezwang das Team von Trainer-Legende und heutigem Bundestrainer Alfred Gislason den ungarischen Spitzen-Klub KC Fotex Veszprem im Final-Rückspiel. Inmitten des Starensembles stand damals auch bereits ein 20-jähriger Bennet Wiegert. Der heutige Erfolgscoach über das Meer an Wunderkerzen auf den Tribünen: „Ob Oleg Kuleschow, Olafur Stefansson oder Stefan Kretzschmar – Wir hatten damals auf jeder Position einen absoluten Weltklasse-Spieler und die Atmosphäre in der Halle beim Rückspiel war gerade für einen jungen Spieler wie mich einfach fantastisch.“

Angetrieben von den grün-roten Fans verschaffte sich der Gastgeber mit 3:0 (3.) einen Start nach Maß. Beim 5:1 (6.) hatten die Magdeburger bereits vier Tore Vorsprung. Die schmolzen allerdings schnell dahin, weil Nenad Perunicic von der ungarischen Abwehr dreimal zum Werfen eingeladen wurde, aber jeweils am Torhüter scheiterte. Veszprem glich zum 7:7 (15.) aus. Davon unbeeindruckt schlugen der SCM, der in der Deckung um Steffen Stiebler robust zu Werke ging, zurück. Drei Treffer in Folge führten zum 10:7 (19.). Durch hart erkämpfte Ballgewinne konnte der deutsche Meister von 2001 immer wieder zu seinen gefürchteten Tempogegenstößen ansetzen und sich so bis zur Pause einen 15:10-Vorteil verschaffen.

Nach dem Wiederanpfiff lieferten sich beiden Mannschaften einen rasanten Schlagabtausch. Weil die Ungarn ihre Abwehr umstellten und die Rückraumspieler Perunicic und Stefansson in kurze Deckung nahmen, schlug die Zeit von Gueric Kervadec. Der Kreisspieler nutzte die Freiräume zu drei Toren. Beim 21:15 (41.) hatte der SCM erstmals sechs Tore Vorsprung. In der Schlussphase wurde es dramatisch. Der ungarischen Weltklasse-Mannschaft um den 40-jährigen Routinier Zlatko Saračević fehlte beim 27:24 (56.) und 28:25 (59.) jeweils nur ein einziges Tor zum großen Glück. Doch der französische Keeper Christian Gaudin hielt mit Glanzparaden den hauchdünnen Vorsprung. Als der Isländer Stefansson in der letzten Minute für die Magdeburger auf 29:25 erhöhte, war der Traum vom Gewinn der ersten Champions League in der deutschen Geschichte perfekt – der vierte Titel (nach der Meisterschaft, dem EHF-Cup-Sieg und der Vereins-EM) binnen zwölf Monaten für den SC Magdeburg. Der letzte Treffer aus gut elf Metern ging an Perunicic, dessen Einsatz aufgrund einer Knieprellung im Abschlusstraining noch auf der Kippe stand. Auf selbiges sank er nach dem Treffer vor Freude. Kapitän Stiebler eilte herbei und tat es ihm gleich.

Auch für die Fans gab es kein Halten mehr und das Parkett der Bördelandhalle versank in einem Meer aus jubelnden Magdeburgern. Auf dem Alten Markt fand die Party ihren Höhepunkt, als mehr als 20.000 Fans ihre Helden auf dem Rathausbalkon mit Sprechchören feierten. Der heutige Co-Trainer des HC Erlangen Stefansson sagte damals: „Wir feiern heute, morgen und übermorgen und werden irgendwo auf der Straße liegen. Wenn uns jemand findet, bitte nach Hause bringen. Alfred natürlich auch.“ Der angesprochene Coach pflichtete ihm bei: „Es ist das Größte, diese Trophäe endlich nach Deutschland zu holen. Wir sind das beste Team Europas. Ich bin unglaublich stolz. Wir haben so lange auf diesen Erfolg hin gearbeitet und sogar Spiele in der Bundesliga geopfert.“

Bester Torschütze der Champions-League-Saison wurde Nenad Peruničić mit 83 Treffern in zwölf Spielen. Den zweiten Platz teilte sich Olafur Stefansson mit Zlatko Saračević (Veszprem) und Bilal Šuman (KIF Kolding) – alle warfen 63 Tore.

Einen kleinen Einblick erhaltet ihr in diesem YouTube-Video.

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SC Magdeburg – KC Fotex Veszprem 30:25 (15:10)

SC Magdeburg: Christian Gaudin, Sune Agerschou (Tor) – Olafur Stefansson (7/4 Tore), Nenad Perunicic (5), Joel Abati (5), Oleg Kuleschow (5), Gueric Kervadec (4), Stefan Kretzschmar (3), Uwe Mäuer (1), Steffen Stiebler, Sven Liesegang, Bennet Wiegert, Christian Schöne, Robert Lux

Trainer: Alfred Gislason

KC Fotex Veszprem: Sterbik, Fazekas (Tor) – Pasztor (7), Dzomba (6), Reinaldo Perez (5), Saracevic (4/3), Gal (2), Diaz (1), Jovic (1), Csoknyai, Eles, Ivancsik, Toth, Zsigmond

Trainer: Zdravko Zovko 

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